Vom 20. Oktober bis zum 30. November findet in Berlin im Rahmen des internationalen Kulturprojekts "Russische Jahreszeiten" das Filmfestival"Kurze Begegnungen" statt. Das Programmführt das deutsche Publikum an Filme der späten Sowjetzeit und des russischen Kinos aus jüngster Zeit heran: das Programm reicht von "unbekannterKlassik" der 1960-1980er Jahre bis zu sozialen Dramen zu Beginn des neuenJahrtausends. Gäste des Programms in Berlin sind bekannte russische Filmschaffende: die Regisseure Andrej Smirnow, Lana Gogoberidze, Bakur Bakuradze und Nikolai Chomeriki, der Kameramann Gennadi Karjuk, der Schauspieler Stepan Dewonin. Das Filmfestival "Kurze Begegnungen" begann imAugust unter der Schirmherrschaft des internationalen Kulturprojekts "Russische Jahreszeiten" in Deutschland.
Erster Teil des Programms: "Unbekannte Klassik. Familie und Genderbeziehungen im Film der Tauwetter-Periode. Männliche und weibliche Sichtweise" – zusammengestellt vom Filmkritiker Konstantin Schawlowski. Gezeigt werden fünf Dramen, die an der Schwelle der Epoche der erneuten Stagnation gedreht wurden. "Kurze Begegnungen" (1967) von Kira Muratowa, "Der Herbst" (1974) von Andrej Smirnow, "Einige Interviews zu persönlichen Fragen" (1978) von Lana Gogoberidse, "Herbstmarathon" (1979) von Georgi Danelija, "Die Frau ist gegangen" (1979) von Dinara Asanowa. Die Vorführungen finden im Zeughauskino des Historischen Museums in Berlin mit 35mm-Kopienaus Beständen des russischen Staatsarchivs und führender deutscher Filmarchive statt.
Alle Filme des Programms berühren auf die eine oderandere Weise das Thema Familie undstellen Fragen zum Platz des Menschen in der sowjetischen Gesellschaft und im Staat. Die Hauptfiguren leiden unter Unsicherheitensowohl im beruflichen Leben ("Kurze Begegnungen" von Kira Muratowa; "Einige Interviews zu persönlichen Fragen" von Lana Gogoberidse), als auch im privaten Leben ("Die Frau ist gegangen" von Dinara Asanowa). Sieversuchen ständig wegzulaufen– von einem Leben in ein anderes. DieMetapher des endlosen Davonlaufens wurde am anschaulichsten im Film "Herbstmarathon" von Georgi Danelija ausformuliert
In den ersten Jahren der erneuten (politischen)Stagnation erwies sich das Familiendrama als das "Protestgenre" – in ihm sprachen die Autoren das an, was nicht direkt gesagt werden konnte. Zum besonderenAusdruck wurde der Film"Der Herbst" von Andrej Smirnow – in ihm zeigte der Regisseur erstmals die Unmöglichkeit eines Privatlebens fürSowjetmenschen und derenBesessenheit, dieses private Leben,unter Umgehung aller Regeln und Normen, dennoch einzurichten. Smirnows Film wurde wegen „Kleinbürgerlichkeit“ kritisiert und wurde nur in einer begrenzten Zahl von Kopien veröffentlicht. Der Regisseur bekamfaktisch Berufsverbotund drehte über dreißig Jahre keine Filmemehr.
Im Mittelpunkt des zweiten Teils des Programms steht die "Metaphysik des Alltäglichen im deutschen und postsowjetischen Film" – zwei der interessantesten Phänomene im russischen und deutschen Film des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts: Filme vonRegisseuren der "Berliner Schule" und von Regisseuren der "Neuen Russischen Welle". Wir bieten andie Ähnlichkeit und die Unterschiede Ihrer Methoden während einer kleinen Reihevon Doppelvorführungen zu diskutieren, nach denen die Filmautorenjeweilsmiteinander sprechen. Ebenso wichtigist die Möglichkeit eines solchen Film-Dialogs selbst, in dem zwei parallel bestehende Filmwelten für einen Augenblick zusammentreffen.
Das Programm wird am 20. Oktober im Hackesche Höfe Kino mit den Vorführungen der Filme "Bungalow" und "Schultes" eröffnet. Nach den Vorführungen gibt es ein Gesprächmit den Autoren dieser Filme, Ulrich Köhler und Bakur Bakuradze. Am 26. Oktober werden im Kulturzentrum Brotfabrik die Filme "Sehnsucht" und "Herz der Welt" gezeigt, nach denen ein Gesprächmit der Regisseurin Valeska Grisebach und mit Stepan Dewonin, der die Hauptrolle in dem Film "Herzder Welt" von Natalja Meschaninowa spielt, stattfindet. Am 30. November sehen die Zuschauer in der Brotfabrik die Filme "Gisela" und "Märchen über die Dunkelheit" danach findet ein Gesprächmit der Regisseurin Isabelle Stever und dem Regisseur Nikolai Chomeriki statt.
Moderatoren der Gesprächesind die Kuratoren des Programms: Konstantin Schawlowski und Saskia Walker, Herausgeberin des Filmmagazins "Revolver", das zur theoretischen Hauptplattform der "Berliner Schule" wurde. Regisseure, Filmkritiker und Zuschauer nehmen an einem Austausch teil, derdem neuen Autorenkino Russlands und Deutschlands gewidmet ist.
Konstantin Schawlowski, Saskia Walker, Sascha Achmadschtschina
Programm der Vorstellungen:
Unbekannte Klassik: Familie und Genderbeziehungen im Film der Tauwetterperiode. Männliche und weibliche Sichtweise
Veranstaltungsort:
Das Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums
Unter den Linden 2
www.dhm.de
14. November
20.00 "Herbstmarathon" / UdSSR, 1979, Georgi Danelija
in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln
16. November
20.00 "Kurze Begegnungen" / UdSSR, 1967, Kira Muratowa
Einführung: Kameramann Gennadi Karjuk
in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln
17. November
18:00 "Einige Interviews zu persönlichen Fragen" / UdSSR,1978, Lana Gogoberidse
Einführung: Regisseurin Lana Gogoberidse, Filmexpertin Barbara Wurm
in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln
23. November
20:00 "Der Herbst" / UdSSR, 1974, Andrej Smirnow
Einführung: Regisseur Andrej Smirnow
in russischer Sprache mit englischen Untertiteln
29. November
20.00 "Die Frau ist gegangen" / UdSSR 1979, Dinara Asanowa
in russischer Sprache mit englischen Untertiteln
Metaphysik des Alltäglichen im deutschen und postsowjetischen Film
20. Oktober
17:00 "Bungalow" / Deutschland, Ulrich Köhler, 2001
19:00 "Schultes" / Russland, Bakur Bakuradze, 2008
21:00 Public Talk mit den Regisseuren Ulrich Köhler und Bakur Bakuradze
Moderatorinnen: Saskia Walker und Katerina Beloglasowa
Veranstaltungsort: Kulturzentrum Brotfabrik
26. Oktober
13:30 "Sehnsucht" / Deutschland, Valeska Grisebach, 2006
16:00 «Сердце мира» / Russland, Natalja Meschaninowa 2018
19:00 Public talk mit der Regisseurin Valeska Grisebach und dem Schauspieler Stepan Dewonin. Moderatoren: Saskia Walker und Konstantin Schawlowski
30. November
15:00 "Gisela" / Deutschland, Isabelle Stever, 2005
Der Film wird mit russischen Untertiteln gezeigt.
17:00 "Märchen über die Dunkelheit" / Russland, Nikolai Chomeriki, 2009
19:00 Public Talk mit der Regisseurin Isabelle Stever und dem Regisseur Nikolai Chomeriki. Moderatoren: Saskia Walker und Konstantin Schawlowski
Alle Filme werden in Originalsprache mit englischen Untertiteln gezeigt, sofern nicht anders angegeben.